Ist heute schon Allerheiligen?

Heute wird der wärmste Tag der Woche. Strahlender Sonnenschein begrüßt uns am Morgen und wir wissen noch gar nicht, was wir heute machen werden. Für einen Fahrtag ist das Wetter zu gut, aber nach den vielen Wanderungen der letzten Tage wollen wir uns auch etwas schonen. 

Also mal überlegen. Baumwipfelpfad bei Weißenburg – wollen wir mit Merle machen. Eine der im Dutzend vorhandenen weiteren Burgruinen in der Nähe erwandern – zu viele Steine hintereinander muss auch nicht sein. Das große Belchen – zu weit im Süden. Die Edelfrauengrabwasserfälle im Schwarzwald – ja da können wir hinfahren. Vom Schwarzwald aus können wir dann theoretisch noch den Blautopf und das Taubertal besuchen. 

Also geht es los nach Osten. Wir fahren durch den Wald von Hagenau und Hagenau (französisch Haguenau) selber. Christian sagt an jeder Tankstelle: „Sollen wir hier nachtanken? Ist 30 Cent günstiger als in Deutschland.“ und ich antworte immer: „ich habe eine Tankstelle direkt vor der Grenze gefunden, lass uns diese nehmen, dann lohnt das mehr.“ Als wir dann schlussendlich am Grenzort Gambsheim ankommen und dort einkaufen gehen (wir decken uns nochmal richtig gut mit französischem Käse ein) und tanken wollen steht dort ein Schild: „kein Gazole“. Na prima, der Diesel ist alle. Da hätte man bei dem Preisunterschied zwischen Frankreich und Deutschland auch drauf kommen können nach dem langen Wochenende. Schade. Entstandener Schaden circa 3,50 Euro. Das nächste Mal tanken wir eher. 

Hinter der Grenze sieht es dann aus wie vor der Grenze. Immer wenn wir reisen, haben wir das Gefühl, dass Grenzen völlig sinnfrei sind und von irgendwelchen Leuten früher wahllos durch die Landschaft gezogen worden sind. Wir queren das Rheintal und fahren an den Edelfrauengrabwasserfällen vorbei, weil wir uns zwischenzeitlich für die Allerheiligenwasserfälle entschieden haben. Als wir in den Schwarzwald hinein fahren, werden die Straßen so steil und kurvig, wie im ganzen Urlaub bisher nicht. Wir kommen uns vor wie in Norwegen – nur mit mehr Motorradfahrern. 

Wir parken auf dem Parkplatz an der Lierbachstraße, direkt vor dem Eingang zu den Wasserfällen. Der Pfad ist sehr touristisch ausgebaut, geschottert und gesichert und familienfreundlich. Zu den Wasserfällen sind es 400 Meter, weitere 1,3 km den Pfad hinaus kommt man zur Ruine des Klosters Allerheiligen. Die Fälle sprudeln nett den Bachlauf hinunter und in einem Felsen kann man mit viel Phantasie ein Gesicht erkennen. Es gibt etwa 200 Treppenstufen zu meistern. 

Oben an der Klosterruine gibt es einen kleinen Kiosk (das Restaurant hat wegen Arbeitskräftemangels geschlossen) und wir genießen im herrlichen Sonnenschein draußen im Biergarten unsere Mittagspause. Von der Klosterruine selber ist nicht mehr viel vorhanden, sie wurde früher als „Steinbruch“ für den Häuserbau. Es gibt einen kleinen Raum mit einer putzigen Madonnenstatue. Durch den Klostergarten machen wir uns anschließend auf den Rückweg. Durch die herbstliche Färbung der Blätter, die Lichtverhältnisse und das sprudelnde Wasser hat Christian hier viele Fotos gemacht und wir haben für den Weg insgesamt 6 km und 2 Stunden gebraucht. 

Anschließend wissen wir wieder nicht, wohin es weiter gehen soll. Blautopf und Taubertal sind mehr als 2 Autostunden entfernt, was uns zu viel ist für einen sonnigen Nachmittag. Daher entschließen wir uns, erstmal die Schwarzwaldhöhenstraße entlang zu fahren. Wir kommen am völlig überlaufenen Mummelsee vorbei. Eigentlich ein schöner kurzer Spaziergang, doch es gab kaum freie Parkplätze und daher fuhren wir weiter. Entlang der Straße hat man einen phänomenalen Ausblick auf die Rheinebene und das Elsass. Es ist traumhaft. 

Dann kamen wir an eine Kreuzung, wo die weitere Schwarzwaldhöhenstraße gesperrt war. Links oder rechts? Wir entscheiden uns für links und fahren in das Bühlertal hinab. Vorbei ist die schöne Aussicht und wir sind wieder in der Ebene angelangt. Da können wir auch Meter machen und so entscheiden wir uns, nach Karlsruhe beim Decathlon einkaufen zu fahren. Wir haben nämlich jeder nur ein kurzärmeliges Shirt mit, was definitiv zu wenig ist. 

Auf dem Weg dorthin stehen wir in der A5 drei Mal im Stau. Irgendwie ist heute der Wurm drin. Im Einkaufszentrum Durlach höre ich zwei indische Airbnb-Touristinnen im perfekten Englisch sprechen. Sie unterhalten sich, ob sie Deutschland lieber verlassen, denn beim letzten Stop hätten die deutschen Gastgeber Angst gehabt, als sie die Heizung aufgedreht hatte. Beide unterhalten sich, was wichtiger ist. A) das richtige zu tun oder b) das eigene Land zu schützen, bevor man die Welt rettet. Beide kommen zu dem Ergebnis, dass man sich erstmal um die eigenen Steuerzahler kümmern muss, denn von diesem bekommt die Regierung ja die Mittel, um anderen Ländern helfen zu können. Klingt plausibel und einfach. Bitte, liebe Regierung, wenn das Touristen schon erkennen, erkennt das auch!

Anschließend fahren wir zum Landvergnügen-Weingut „Ihle Besen“ in Rauenberg. Hier essen wir in der „Besenküche“ Spätzle und Maultaschen und trinken „neuen Wein“ – so heißt hier der Federweiße. Mit Genehmigung des Hausherren probieren wir dann am Abend unsere neue Reisefeuerschale vor dem Wohnmobil aus. Am knisternden „Highfire“ rösten wir Maronen, trinken Cidre und erforschen den sternenklaren Himmel mit der App „Stellarium“.

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