Von den Burren nach Connemara

Ein wolkiger und windiger Morgen begrüßte uns mit etwas Regen an Tag 49 unserer Reise. Nanu? Es war schönes Wetter angesagt. Mal wieder ein Zeugnis dafür, dass die Worte  Wetterbericht und Irland nicht zusammen in einem Satz gebraucht werden sollten.


Kalksteinküste des Burren

Wir packen in einem trockenen Moment zusammen und fahren los. Weiter geht´s den Wild Atlantic Way nach Norden. Kurz hinter Doolin beginnen die „Burren“ –  eine Karstlandschaft wie vom Mond. Wir fühlen uns wie auf einem schottischen Pass oder in der nordnorwegischen Landschaft. Karg, grau, etwas grün. Schön anzuschauen, fastzinierend fremdartig und einsam, und kaum für den Menschen nutzbar. Daher auch das irische Sprichwort: To Hell or Connacht – es machte für die Menschen damals keinen Unterschied, sie waren de facto verdammt.


Kalksteinküste des Burren

Wir fahren die Küstenstraße um den Galway Bay herum und die Landschaft wird unvermittelt flacher und es geht eine recht langweilige Passage los, die im Verkehrschaos von Galway endet. Einen Einkauf und viele neue graue Haare später fahren wir auch schon wieder aus der Stadt heraus. Groß ist sie nur im Verkehrschaos, aber nicht an Einwohnern. Der Nordwesten ist insgesamt nur sehr dünn besiedelt.

Wir fahren die Küstenstraße weiter bis nach An Spideal. Wir sind wieder in Gaeltacht-Gebiet. Mittlerweile sind alle Schilder und Markierungen entweder nur noch in Gälisch oder es steht als Zweitsprache der englische Text darunter (sonst ist die Reihenfolge anders herum). Wir finden einen tollen Platz am Pier für die Mittagspause. Die Sonne lacht und wir vernaschen jeder ein Eis. Nach einem Spielplatz gefragt, wußte hier aber niemand, ob es einen in der Nähe gibt. Schade.

Daher fahren wir weiter den Wild Atlantic Way herauf, folgen dann aber der 336 bis zur N59, um den Bergen näher als der See zu sein. Zwischendurch bestaunen wir, wie ein Bus voller Touristen einen kleinen Wasserfall mitten im Nichts bestaunt.Wo kommen die alle her? Aber sie scheinen zu wissen, wo es schön ist.


Wasserfall an der 336

Denn es ist wirklich schön hier, die Sonne lacht, die Landschaft von der See zu den Bergen ist ein traumhaftes Moor: plattes Land, blau, grau und grün im Wechsel und fast völlig unbesiedelt. Nördlich der großen Straße beginnt dann eine karge Bergwelt „The 12 Pins“ genannt. Zählen konnten wir sie allerdings nicht, da die Bergkuppen in den Wolken lagen.


twelve Pins von der 336 aus gesehen

Wir fuhren sozusagen auf der Wettergrenze. Das Moor im Süden lag im Sonnenschein, während die Berge im Norden im Regen lagen. Wir genossen meist die Sonne mit, bekamen aber auch den einen oder anderen Schauer ab. Unser Ziel heute war der Pier in Clifden, da er einen Spielplatz anbei haben sollte. Anbei heißt in diesem Fall allerdings leider 2 km entfernt. Und da das Wetter immer noch dem des deutschen April entspricht, fällt Wandern flach.

Der Platz gefällt uns nicht sehr gut, zumal wir mitten im Wind stehen – zusammen mit zwei anderen Wohnmobilen und einem halben Dutzend Zelten – die zusammen mit uns das Schild „Camping and Overnightparking strictly forbidden“ wohl übersehen haben.


Clifden Pier

Warum auch immer bleiben wir hier. Immerhin können wir so mit Merle morgen früh auf den Spielplatz gehen. Der Strand hier gefiel ihr nicht, da sie den Wind absolut nicht mag. Wir waren auch nur sehr kurz dort, denn Wolken und Sonne wurden hier ob des starken Windes recht rasch immer wieder von Regenschauern abgelöst.

Frage des Tages: Wenn du ein ungutes Gefühl bei einem Platz hast, das du nicht weiter logisch begründen kannst – bleiben oder gehen?

Exkurs: Ideen auf dem stillen Örtchen. Wenn man so auf dem stillen Örtchen im Wohnmobil sitzt, draußen der regen plätschert und man viel zeit hat, kommen einem die merkwürdigsten Gedanken. Hier ein Beispiel: Wenn es vier Dimensionen gibt, wie groß ist dann das Bad dieses Wohnmobils in der vierten Dimension? Gesetz den Fall, es ist 0,75 Meter lang und 0,75 Meter breit, dann ist seine Grundfläche etwa 0,55 Quadratmeter. Wenn es dann noch zwei Meter hoch ist, dann sind wir bei 1,1 Kubikmeter. Wenn diese Zahl dann noch für die 4. Dimension mit sich selbst multipliziere (bzw. weil ich 1,1 Zeiteinheiten hier verweile), sind wir bei 1,2 Raumzeiten. Aber was habe ich jetzt genau berechnet??

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