Es gibt sie doch! Eine Abteiruine ohne Baugerüst!

Der Freitagmorgen, Tag 64 unserer Reise, zeigte sich aprilmäßig. Es regnete etwas, mal kam die Sonne heraus und es war windig. Wir wurden früh wach und waren schnell fertig. Aus dem Strandbesuch wurde leider nichts.

Daher kamen wir rasch voran. Zurück durch die Gower-Halbinsel und dann auf die A40 die uns bis in den Brecon Beacon Nationalpark führte. Leider im Nebel und Regen, so dass wir nicht wirklich sagen können, wie schön das hier sein kann.


Tintern Abbey

E könnte hier einige höhere Hügel und Berge geben, aber für uns blieben sie theoretisch. Wir folgten stattdessen dem Tipp von Ilka und Oli und fuhren in Richtung Tintern Abbey. Zwei Dörfer vorher gab es an einem Sportplatz einen kleinen aber feinen privat finanzierten Spielplatz, wo wir kurz Rast machten.

Wir befinden uns hier an dem kleinen Grenzfluss zwischen England und Wales mitten im Forest of Dean. Es scheint theoretisch ein schönes Wandergebiet zu sein, ähnlich vielleicht dem Moseltal. Aber viel konnten wir Dank tiefhängender Wolken nicht sehen.


Tintern Abbey

Dann nochmal 10 Minuten hinters Lenkrad geklemmt und ab zur Tintern Abbey. Die 3 Pfund für das Parkticket werden beim Eintritt gut geschrieben, das gefällt uns.

Wir wollten schon seit Frankreich eine Abteiruine besichtigen. Wir standen mit dem Wohnmobil vor der größten Abteiruine Frankreichs in Jumieges, aber diese war eingerüstet, das war uns dann das Eintritsgeld nicht wert.


Tintern Abbey

Dann standen wir vor Irlands schönster Abteiruine, der Jerpoint Abbey – wieder ein Baugerüst (und zudem irischer Landregen).

Aber hier in Wales hat es nun geklappt. 6,50 Pfund pro erwachsener Person Eintritt legten wir auf den Tresen und durften uns beeindruckt zeigen von der Baukunst der Menschen vor 800 Jahren – ohne ein einziges neuzeitliches Baugerüst.


Tintern Abbey

Auch wenn es immer mal wieder nieselte, hat sich der Besuch gelohnt und Merle hatte einen großen Spielplatz inklusiver unzähliger Pfützen zum Unfug machen und Mauerreste zum (verbotenerweise) klettern.

Nach einer schönen warmen Tasse Tee fuhren wir noch ein Stündchen weiter über die sehenswerte Severn-Brücke und die Autobahn M4 nach Südengland. Die Brücke ist übrigens nur in Richtung Wales mautpflichtig, so dass wir ungeschröpft passieren konnten.

Auf der Freitags Nachmittags brechvollen Autobahn kamen wir mit etwa 90 bis 100 km/h immer noch gut voran. Auf der Gegenfahrbahn staute es sich dutzende Kilometer lang.

Wir fuhren bis nach Swindon auf die Lotmead-Farm, einer preisgekrönten Farm aus dem Brit Stop-Führer. Hier besuchten wir (netterweise kostenfrei) die zwei tollen Spielplätze und den großen Streichelzoo. Für das Kühemelken kamen wir leider etwas zu spät an und sahen nur noch, wie der Melkstand der 250 Kühe gesäubert wurde. Im absolut toll sortierten Farmshop waren wir anschließend ausgiebig shoppen und Eis essen.


Lotmead Farm

Während wir auf der überdachten Terrasse saßen und unser Eis genossen, begannen Regen und Sturm. Es regnete und stürmte den ganzen Abend lang und wir waren sehr froh, einen recht windgeschützten Platz für die Nacht zu haben.

Der Manager der Farm, der vorher 25 Jahre lang Kühe gemolken hat und jetzt auf Beeren zum Selberpflücken (inkl. Spielplatz und Streichelzoo) umgesattelt hat, war der erste Mensch, dessen Englisch wir anstandslos verstanden. Ein Blick auf die Karte zeigte uns, dass wir nicht weit von Oxford entfernt sein konnten. Daher dieses perfekte „Oxford-Englisch“ des Bauern.

Die Farm gefiel uns richtig gut. Wir fragten uns, warum wir bisher nur an Pubs gestanden haben und schauten nochmal ins Buch. Aber schnell hatten wir unsere Antwort: In ganz Irland war nicht eine Farm gelistet und in Wales gerade einmal eine einzige. In Schottland und England sah das ganz anders aus und hier wäre Brit Stop auch mit Kind eine gute Alternative zu Campingplätzen – das ist auf den Hinterhöfen der Pubs immer nur Glückssache gewesen.


Lotmead Farm

Einziger Wermutstropfen: Es gab einige leere Gehege mit dem Schild: „We have a serious fox problem“. Abends kommt der Bauer und sagt: „Erschrecken Sie sich heute Nacht nicht, ich sitze im Hochstand und schieße Füchse. Die werden wahrscheinlich vom Tierschutz in der Stadt eingesammelt und bei uns in den Feldern „in die Natur entlassen“ – wie sonst sollten plötzlich dutzende Füchse auftauchen wie noch nie zuvor?“Schon über 100 Federvieh hat er in diesem Jahr verloren.

Im Sturm sitzend lenken wir uns von dem Jäger mit Gewehr im Hochstand ab und stellen wir uns die Frage des Tages: Messermuschel oder Seescheide? Unter welchem Namen kennst du sie?

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