ein Tag im Dauerregen

Am heutigen Tage regnet es. Es regnet beim Frühstück und es regnet darüber hinaus. Die Wettervorhersage (Buienradar) erzählt von einem Regenband in Mitteldeutschland, das längs von West nach Ost quert und überall da ist, wo wir hin möchten. Nördlich und südlich davon scheint die Sonne. Wir überlegen hin und her, was sollen wir tun?

Unser erstes Ziel ist die Ehrbachklamm bei Boppard. Als wir und nähern regnet es noch fester als zuvor, so dass wir weiter fahren in Richtung Tholey. Unterwegs finde ich zufällig den Hinweis auf eine Edelsteinmine in Idar-Oberstein. Das wollen wir sehen! Aber man soll vorher unbedingt anrufen, um zu fragen, ob noch Plätze in den Führungen frei sind. Ich telefonierte zweimal mit dem Anrufbeantworter, dann waren wir schon da. 

Nach einem kleinen Fußweg durch einen schönen Wald – im Regen – kommen wir bei der Höhle an. Natürlich ist an dem langen Wochenende bei Regenwetter nichts mehr frei.

Und das ging so: „Wir haben auf den Anrufbeantworter gesprochen und wenn wir nichts gegenteiliges hören, kommen wir, weil noch Plätze frei sind.“ – „Nein, es ist nichts frei. Wir sind personell unterbesetzt und hören den Anrufbeantworter nicht ab, geschweige denn dass wir zurückrufen.“ – „Aber wie sollen wir dann reservieren?“ – „Per Telefon.“ – „Aber da ist nur der Anrufbeantworter dran.“ – „den hören wir nicht ab.“ …und so weiter dreht es sich im Kreis. Beide Seiten haben Verständnis für die jeweils andere Seite, aber das bringt schlussendlich nichts. 

Doch dann ist das Glück auf unserer Seite. Es sind noch Plätze in der jetzt startenden Führung frei. Ob jemand nicht gekommen ist oder ob sie einfach 2 Leute mehr durchwinken, weiß ich nicht. Aber wir freuen uns!! Die Führung durch Europas einziges Besucheredelsteinbergwerk war spannend, kalt und lehrreich. Und war bisher nicht bekannt, dass in einer Erzader Bergkristalle, Amethyst, Rauchquarz, Carneol und mehr vorkommen konnten und alle mehr oder weniger den selben Ursprung haben – sie sind „Lavapupse“.

Anschließend kaufen wir noch im Steinestübchen ein und gehen durch den Regen den Waldpfad zurück. Kinder sieben hier im Matsch nach Edelsteinen und wir sind recht froh, bei diesem Wetter Merle nicht mit dabei zu haben. Das kann im Wohnmobil nur zu einer Matschsachen-Katastrophe führen. Anschließend fahren wir nach Tholey weiter durch so bekannte Orte wie Katzenloch, Bruchweiler, Oberbrombach und Niederbrombach. 

In Tholey gibt es in der Stadt einen schönen großen Parkplatz und gleich nebenan das Café „Duda“, das hausgemachte Kuchen anbietet. Wir haben je einen Chai Latte mit gedecktem Apfelkuchen bzw. Kirch-Streuselkuchen und können beides sehr empfehlen. Familie Duda hat das Café vor 3 Jahren eröffnet und kämpfte seit Beginn mit Corona-Auflagen und jetzt mit der Energiekrise. Jeder Kuchen zählt! Also nichts wie hin.

Anschließend besuchen wir die Abtei Tholey direkt neben dem Café. Sie ist berühmt für ihre Fenster, die von Gerhard Richter und anderen Künstlern entworfen wurden. Leider wirken die Fenster ohne Licht – es regnet immer noch in Strömen – nicht so, wie es hätte sein können. Die Brüder, die wir getroffen haben, sind allesamt nicht sehr zuvorkommend, wie wir es sonst von Benediktinermönchen gewohnt sind. Und auch die spirituelle Energie der Kirche ist, naja, eigentlich nicht vorhanden. Eine Ausnahme bildet die Kapelle, die aktuell einer kleinen Marienstatue gewidmet ist. Aber diese soll nach Auskunft der Brüder für etwas „heiligeres“ weichen. Und auch der Eingangsbereich ist unfertig, dort wurden jahrhundertealte Steinreliefs abgeschlagen, weil sie nicht mehr „zeitgemäß“ waren. Alles in allem gefällt es uns heute überhaupt nicht. Bitte macht euch aber euer eigenes Bild. 

Da es noch immer regnet, suchen wir uns etwas Schönes für die Nacht bei „Landvergnügen“. In etwa 30 Minuten Entfernung liegt das Nunkircher Wildgehge. Hier ging es dann durch Orte wie Schattertriesch, Dorf im Bohnental Überroth-Niederhofen oder Rümmelbach.

Das Wild-Restaurant hat einen Platz für uns frei und nach etwas mehr als einer halben Stunde versuchen wir, auf die für Wohnmobile vorgesehene Wiese neben dem Wildgehege einzuparken. Das scheitert an den morastigen Verhältnissen, so dass wir vor dem Restaurant etwas schief, aber auf Teer einparken. So eine Nässe hat der Hausherr auch noch nicht erlebt. Das zweite Wohnmobil, das anreisen wollte, entschuldigt sich direkt und rollt gar nicht erst an. 

Als wir im Wintergarten des Restaurants sitzen, konnte ich meinen Augen nicht trauen. Im strömenden Regen waren wir kurz zuvor  hier hinein gekommen und nun schien die Sonne den Hirschen auf das Fell. Sowas! Die immerlange Regenwolke hatte ihr Ende erreicht. Bei einem schönen Sonnenuntergang aßen wir Flädlesuppe und Hirschgulasch auf Bandbudeln und tranken dazu eine ganz hervorragende trockene Rosé-Spätlese. Morgen soll das Wetter ganz hervorragend werden und wir sind sehr gespannt auf den kommenden Tag. 

Und was haben wir heute gelernt:

  1. Benediktiner sind noch gleich Benediktiner
  2. Wo Idar-Oberstein ist, gibt es auch Idar-Tiefenstein, wo es Neuwired am Rhein gibt, gibt es auch Altwied.
  3. Im Saarland sagt man „mir“ statt „mir“
  4. Edelsteine sind vulkanische Gasblasen

An der Nordsee bei Oma und Merle ist übrigens den ganzen Tag über das schönste Wetter, windig mit viel Sonnenschein. Nachdem die beiden sich ausgesperrt haben und gerettet werden müssen, genießen sie ihren Tag an der See in vollen Zügen. 

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