Tömerrenna – die Wanderautobahn

Tag 33  begann wieder mit strahlendem Sonnenschein. Wir haben den Vormittag auf dem Campingplatz genossen. Merle war spielen und wir konnten in Ruhe frühstücken.

18 Grad, Sonne, Wolken und Wind laden geradezu perfekt zum Wandern ein. Daher fuhren wir nach Grovane (bei Vennesla) zur Tömerrenna. Die Fahr dauerte etwa 1,5 Stunden und führte über einsame, kleine Wege mit vielen Kürvchen zum Ziel mitten im Nirgendwo.

Doch als wir dort ankamen- herrje – waren die 3 großen Parkplätze waren fast vollständig mit Autos und Menschen gefüllt. Wir hatten glücklicherweise in der letzten Ecke noch einen Platz bekommen. Fanden wohl viele Menschen, dass das Wetter perfekt zum Wandern sei…
Direkt am Parkplatz beginnt die Tömerrenna, eine mehrere Kilometer lange ehemalige Flößer-Rinne, die zum Transport von Holzstämmen gebaut worden war. Wir sind die Rinne hochgelaufen. Sie führt sogar über zwei Hängebrücken, die so doll schaukeln, als ob man einen im Kahn hat (je mehr Menschen gleichzeitig laufen, desto mehr schaukelt es).

Nirgendwo in Norwegen kann man so elegant auf geradem, glatten Boden ein Tal hinauf laufen wie hier. In der Mitte der Rinne machten wir einen Abstecher nach Kringsjaa, einer alten Kraftwerkstation, die jetzt ein schöner Picknickplatz mit WC, Bänken und Industriekultur ist. Während des Picknicks habe ich einen kleinen, mit Himbeerbüschen gesäumten Weg gefunden, wo wir recht flink eine ganze Tupperschüssel voll Himbeeren gesammelt haben. Auf dem Weg zurück zur Tömmerrenna sammelten wir noch jede Menge Blaubeeren. Mitte/Ende Juli scheint hier in Südnorwegen schon Saison für Beeren zu sein. 

Anschließend liefen wir die Renna weiter hinauf bis zum Teilstück, der durch einen engen Tunnel geht, den man gebückt in Düsternis durchqueren muss (ca. 150 gebückte Trippelschritte, für euch getestet). Hier konnte Christian wegen Rückenproblemen nicht weiter, so dass Merle und ich alleine hindurch gingen und anschießend wieder zurück. Gut, dass Christian an eine Taschenlampe gedacht hatte. (nur der Vollständigkeit halber: hinter dem Tunnel wäre die Tömmerrenna theoretisch noch 1,3 km weiter gegangen).

   

Auf dem Rückweg hat Christian eine zerbrochene Planke übersehen und ist gestolpert, so dass anschließend sein Knie weh tat. Daher haben wir am Vrengebenken noch ein Päuschen gemacht und die Füße ins Wasser gehalten, um sie zu kühlen, bevor wir wieder zurück zum Parkplatz liefen. Insgesamt sind wir heute etwas mehr als 10 km gelaufen.

Nach der Rückkehr zum Bus fuhren wir noch 45 Minuten weiter in das Setesdal bis zum Outdoorsport-Örtchen Evje. Hier suchten wir uns einen Übernachtungsplatz, aber der Ort strahlt an vielen Ecken, wie soll man sagen, schlechte Energie oder so etwas ab, so dass uns bei jedem möglichen Platz in der Nähe der Stadt unwohl war. An einem Platz, den wir entgegen unserem Bauchgefühl angefahren hatten, weil wir endlich ankommen wollten, nahmen wir mit dem Bullenfänger einen Baumstumpf mit. Ist aber nichts passiert außer einem Schreck und einem etwas schiefen Fänger. Wenn das Schicksal uns hier nicht haben will, teilt es uns das schon recht direkt mit.

 

Daher fuhren wir schlussendlich auf die andere (westliche) Flussseite und noch weiter nach Norden. Hier war unser Gefühl ein völlig anderes. Und siehe, da mitten im Nichts zwischen Schotterstraße und Fluss, direkt am Ufer unter schattigen Pinien, tat sich eine kleine paradiesische Parkbucht auf. Sie war theoretisch groß genug für 3 Wohnmobile.

Aber wie das so ist mit dem Paradies. In der Parkbucht parkte ein Niederländer dekadent quer belegte und den Rest des Platzes mit Campingstühlen und Wäscheständer. Er hätte auch gleich einen Banner aufstellen können: „Ich will hier alleine stehen!“

Aber sowas ist ja für Christian eher ein „Challenge accepted“, und das gleich doppelt, weil es uns hier so gut gefiel im Gegensatz zu den letzten Erlebnissen. Relativ problemlos klemmten wir uns daher an den Rand des Parkplatzes neben den Wäscheständer. Es war genau so viel Platz noch da, wie wir brauchten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

Nach einem kleinen Fußbad an dem wunderschönen, kalten Fluss aßen wir erstmal Spaghetti und ließen den Abend anschließend im Sonnenuntergang unter den rauschenden Kiefern und dem murmelnden Fluss ausklingen. 

 

Was war das Bemerkenswerteste heute, 3 Sichtweisen:

Christian: „auf der Wanderautobahn unterwegs“

Merle „Mama, die Schokolade ist geschmolzen“

Nicole: „geht nie ohne Tupperschüssel aus dem Haus“

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